Ausbildung zum/zur Altenpfleger/-in

Berufsfachschule für Altenpflege/-hilfe Weißenburg

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Quereinstieg in die Pflegeausbildung

Weißenburg (epd). Pflegen kann nicht jeder, sagt Dorothea Eidam, Leiterin der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe im Berufsbildungszentrum Wülzburg. Sie schätzt jedoch die Lebenserfahrung der Quereinsteiger, ihre Motivation, einen neuen Beruf lernen zu wollen. Dass dazu gehöriger Aufwand nötig ist, sei völlig in Ordnung, sagt die Expertin. Anders lasse sich die Qualität in den Pflegeeinrichtungen nicht aufrechterhalten. Die Fragen stellte Dirk Baas.

epd sozial: In ihrer Schule werden auch sogenannte Quereinsteiger ausgebildet. Welche Rolle spielten sie zahlenmäßig in den zurückliegenden zehn Jahren?

Dorothea Eidam: Da muss ich erst einmal kurz erläutern, wer bei uns Quereinsteiger fällt. Das sind Personen, die aus anderen Berufen zu uns kommen. Sie müssen die Mittlere Reife oder den Abschluss einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung mitbringen, um aufgenommen zu werden. Dann haben wir noch verkürzende Quereinsteiger, die zum Beispiel eine einjährige Ausbildung zur Pflegefachhelferin in der Altenpflege, Heilerziehungspflege oder Krankenpflege haben oder über eine Kompetenzfeststellungsprüfung zu uns kommen. Die zuletzt genannte Gruppe hat eine schriftliche und eine mündliche Prüfung hinter sich, die auf dem Niveau eines Pflegefachhelfers stattfindet. Dieser Personenkreis muss mindestens zwei Jahre Vollzeit in der Pflege gearbeitet haben. In den vergangenen zehn Jahren hatten wir etwa 50 Quereinsteiger hier an unserer Schule.

epd: Sie werben nicht gezielt um Quereinsteiger. Wie werden die auf Ihre Schule aufmerksam?

Eidam: Viele Bewerbungen kommen über die Pflegeheime, weil Bewerber dort im Rahmen eines Praktikums, das manchmal über die Arbeitsagentur vermittelt wird, geschnuppert haben. Eine bemerkenswerte Anzahl an Personen kommt auch, weil sie im Nahbereich der häuslichen Versorgung Angehörige gepflegt und dabei gemerkt haben, dass der Pflegeberuf sehr sinnerfüllend ist. Und wir informieren auch über unser Angebot bei Berufs- und Gesundheitsmessen. Manche Schüler haben auch ein soziales Jahr absolviert, erinnern sich dann an diese positive Zeit und kommen so zu uns.

epd: Werden zu Ihnen auch Personen von der Bundesagentur für Arbeit vermittelt?

Eidam: Ja. Wir werden von der regionalen BA gut und kompetent unterstützt. In fast jedem Kurs haben wir zwei oder drei Azubis, die eine verkürzte Ausbildung machen. Das sind oft Pflegefachhelferinnen, die in der Regel eine verkürzte Ausbildung machen müssen, weil die Fördermöglichkeiten der BA das vorschreiben. Die machen dann anschließend noch die Pflegefachkraftausbildung. Die oben genannten rund 50 Quereinsteiger sind fast alle durch die BA gefördert worden, sonst hätten sie sich die Ausbildung gar nicht leisten können.

epd: Welche Erfahrungen machen Sie mit den Quereinsteigern, die ja oft aus ganz anderen Berufsfeldern kommen? Wie ist ihre Motivation, weshalb wollen sie in die Pflege?

Eidam: Insgesamt machen wir gute Erfahrungen, mit Personen, die im Vorfeld einen anderen Beruf gelernt haben oder eine Familienphase hinter sich haben. Sie bringen Lebenserfahrung und Reife mit und nehmen die Ausbildung meist sehr ernst. Das kommt vielleicht daher, dass es manche Umsteiger tatsächlich die letzte Chance ist, endlich eine unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen und die Existenz zukunftssicher zu machen. Tatsache ist, dass sie die Pflege von Menschen als sehr sinnvoll ansehen. Sie schätzen es, dass die Arbeitstage äußerst abwechslungsreich sind und die alten Menschen sehr viel Dankbarkeit und Weisheit zurückgeben.

epd: Ist es wirklich lohnend, sich den Quereinsteigern vermehrt zuzuwenden, um mehr Personal im Kampf gegen den Pflegenotstand zu gewinnen?

Eidam: Meines Erachtens sind es zum großen Teil sehr kompetente Menschen. In den Kursen haben wir ein sehr heterogenes Gemisch an Altersgruppen und schulischen Bildungswegen, was sehr bereichernd ist, weil die unterschiedlichen Generationen jeweils Besonderheiten und natürlich auch Herausforderungen mit sich bringen und das gegenseitige Lernen dadurch befruchtet wird. Ich sage, es lohnt sich, Quereinsteiger umzuschulen, denn wir brauchen jeden sozial und personell kompetenten Menschen mit guter Kognition, damit es innerhalb der Pflege fachlich versiert weitergeht. Jeder Mensch ist uns wertvoll, aber nicht jeder ist geeignet für die Pflege.

epd: Warum müssen Quereinsteiger, die ja oft schon eine andere Ausbildung und nicht selten auch Berufserfahrung haben, dennoch aufwendig qualifiziert werden?

Eidam: Nur weil jemand irgendeinen Beruf gelernt hat, ist er nicht automatisch geeignet zu pflegen. Pflege ist heute eine hochkomplexe Arbeit, die sehr viel Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten voraussetzt. Es muss ein Pflegeprozess geplant, organisiert und koordiniert werden und dann auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Menschen mit Hilfebedarf situationsangepasst reagiert werden. All das setzt Fachwissen und eine hohe Flexibilität voraus. Das Image der Pflege, dass jede Person pflegen kann, muss dringend verändert werden. Wir brauchen nicht mehr Hände, sondern mehr Köpfe. In diesem Zusammenhang möchte ich mal provokativ anmerken: Keiner möchte doch ernsthaft von einem berufserfahrenen Metzger den Blinddarm heraus operiert bekommen.

epd: Könnten Quereinsteiger nicht einfach auf dem Weg des Learning by the Job eingearbeitet werden, um den Zugang niedrigschwelliger zu halten?

Eidam: Das wird ja längst getan. In den Altenhilfeeinrichtungen arbeiten viele ungelernte Hilfskräfte, die angelernt wurden. Sie machen dort gute und sehr gute Arbeit. Dennoch benötigt jede Einrichtung fachlich ausgebildetes Personal, damit eine qualitative Versorgung gewährleistet wird.

 

Quelle: epd sozial. Ausgabe 16/2019

Quereinstieg in die Pflegeausbildung

Weißenburg (epd). Pflegen kann nicht jeder, sagt Dorothea Eidam, Leiterin der Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe im Berufsbildungszentrum Wülzburg. Sie schätzt jedoch die Lebenserfahrung der Quereinsteiger, ihre Motivation, einen neuen Beruf lernen zu wollen. Dass dazu gehöriger Aufwand nötig ist, sei völlig in Ordnung, sagt die Expertin. Anders lasse sich die Qualität in den Pflegeeinrichtungen nicht aufrechterhalten. Die Fragen stellte Dirk Baas.

epd sozial: In ihrer Schule werden auch sogenannte Quereinsteiger ausgebildet. Welche Rolle spielten sie zahlenmäßig in den zurückliegenden zehn Jahren?

Dorothea Eidam: Da muss ich erst einmal kurz erläutern, wer bei uns Quereinsteiger fällt. Das sind Personen, die aus anderen Berufen zu uns kommen. Sie müssen die Mittlere Reife oder den Abschluss einer mindestens zweijährigen Berufsausbildung mitbringen, um aufgenommen zu werden. Dann haben wir noch verkürzende Quereinsteiger, die zum Beispiel eine einjährige Ausbildung zur Pflegefachhelferin in der Altenpflege, Heilerziehungspflege oder Krankenpflege haben oder über eine Kompetenzfeststellungsprüfung zu uns kommen. Die zuletzt genannte Gruppe hat eine schriftliche und eine mündliche Prüfung hinter sich, die auf dem Niveau eines Pflegefachhelfers stattfindet. Dieser Personenkreis muss mindestens zwei Jahre Vollzeit in der Pflege gearbeitet haben. In den vergangenen zehn Jahren hatten wir etwa 50 Quereinsteiger hier an unserer Schule.

epd: Sie werben nicht gezielt um Quereinsteiger. Wie werden die auf Ihre Schule aufmerksam?

Eidam: Viele Bewerbungen kommen über die Pflegeheime, weil Bewerber dort im Rahmen eines Praktikums, das manchmal über die Arbeitsagentur vermittelt wird, geschnuppert haben. Eine bemerkenswerte Anzahl an Personen kommt auch, weil sie im Nahbereich der häuslichen Versorgung Angehörige gepflegt und dabei gemerkt haben, dass der Pflegeberuf sehr sinnerfüllend ist. Und wir informieren auch über unser Angebot bei Berufs- und Gesundheitsmessen. Manche Schüler haben auch ein soziales Jahr absolviert, erinnern sich dann an diese positive Zeit und kommen so zu uns.

epd: Werden zu Ihnen auch Personen von der Bundesagentur für Arbeit vermittelt?

Eidam: Ja. Wir werden von der regionalen BA gut und kompetent unterstützt. In fast jedem Kurs haben wir zwei oder drei Azubis, die eine verkürzte Ausbildung machen. Das sind oft Pflegefachhelferinnen, die in der Regel eine verkürzte Ausbildung machen müssen, weil die Fördermöglichkeiten der BA das vorschreiben. Die machen dann anschließend noch die Pflegefachkraftausbildung. Die oben genannten rund 50 Quereinsteiger sind fast alle durch die BA gefördert worden, sonst hätten sie sich die Ausbildung gar nicht leisten können.

epd: Welche Erfahrungen machen Sie mit den Quereinsteigern, die ja oft aus ganz anderen Berufsfeldern kommen? Wie ist ihre Motivation, weshalb wollen sie in die Pflege?

Eidam: Insgesamt machen wir gute Erfahrungen, mit Personen, die im Vorfeld einen anderen Beruf gelernt haben oder eine Familienphase hinter sich haben. Sie bringen Lebenserfahrung und Reife mit und nehmen die Ausbildung meist sehr ernst. Das kommt vielleicht daher, dass es manche Umsteiger tatsächlich die letzte Chance ist, endlich eine unbefristeten Arbeitsvertrag zu bekommen und die Existenz zukunftssicher zu machen. Tatsache ist, dass sie die Pflege von Menschen als sehr sinnvoll ansehen. Sie schätzen es, dass die Arbeitstage äußerst abwechslungsreich sind und die alten Menschen sehr viel Dankbarkeit und Weisheit zurückgeben.

epd: Ist es wirklich lohnend, sich den Quereinsteigern vermehrt zuzuwenden, um mehr Personal im Kampf gegen den Pflegenotstand zu gewinnen?

Eidam: Meines Erachtens sind es zum großen Teil sehr kompetente Menschen. In den Kursen haben wir ein sehr heterogenes Gemisch an Altersgruppen und schulischen Bildungswegen, was sehr bereichernd ist, weil die unterschiedlichen Generationen jeweils Besonderheiten und natürlich auch Herausforderungen mit sich bringen und das gegenseitige Lernen dadurch befruchtet wird. Ich sage, es lohnt sich, Quereinsteiger umzuschulen, denn wir brauchen jeden sozial und personell kompetenten Menschen mit guter Kognition, damit es innerhalb der Pflege fachlich versiert weitergeht. Jeder Mensch ist uns wertvoll, aber nicht jeder ist geeignet für die Pflege.

epd: Warum müssen Quereinsteiger, die ja oft schon eine andere Ausbildung und nicht selten auch Berufserfahrung haben, dennoch aufwendig qualifiziert werden?

Eidam: Nur weil jemand irgendeinen Beruf gelernt hat, ist er nicht automatisch geeignet zu pflegen. Pflege ist heute eine hochkomplexe Arbeit, die sehr viel Wissen, Fertigkeiten und Fähigkeiten voraussetzt. Es muss ein Pflegeprozess geplant, organisiert und koordiniert werden und dann auf die individuellen Bedürfnisse der jeweiligen Menschen mit Hilfebedarf situationsangepasst reagiert werden. All das setzt Fachwissen und eine hohe Flexibilität voraus. Das Image der Pflege, dass jede Person pflegen kann, muss dringend verändert werden. Wir brauchen nicht mehr Hände, sondern mehr Köpfe. In diesem Zusammenhang möchte ich mal provokativ anmerken: Keiner möchte doch ernsthaft von einem berufserfahrenen Metzger den Blinddarm heraus operiert bekommen.

epd: Könnten Quereinsteiger nicht einfach auf dem Weg des Learning by the Job eingearbeitet werden, um den Zugang niedrigschwelliger zu halten?

Eidam: Das wird ja längst getan. In den Altenhilfeeinrichtungen arbeiten viele ungelernte Hilfskräfte, die angelernt wurden. Sie machen dort gute und sehr gute Arbeit. Dennoch benötigt jede Einrichtung fachlich ausgebildetes Personal, damit eine qualitative Versorgung gewährleistet wird.

 

Quelle: epd sozial. Ausgabe 16/2019